Freitag, April 30, 2021

Wer nicht sehen kann, kann nicht kämpfen - wer nicht hören kann, kann nicht kämpfen - wer nicht verstehen kann, kann nicht lesen? Ähhh- what?

 Hallo liebe Freunde, (Ex-)Kollegen, Pokerspieler, Zauberer, Instagram-Abonnenten und random-Blogleser,


schön, dass ihr wieder dabei seid, bei diesem ominös klingenden Blog-Titel.
Ich hoffe, dass sich, nach meinem letzten Beitrag, eure Kommunikationsfähigkeiten/- und fertigkeiten deutlich verbessert haben oder zumindest die Wahrnehmung verschärft hat, was ein sehr guter Anfang ist.
Wenn nicht - ähhhh - dann NOCHMAL lesen! PRONTO


Gut! Willkommen zurück - 2 Wochen später?
Ich habe mir ja das Ziel gesetzt, jeden Monat einen Blog zu schreiben, was ich zwar heute gerade noch so erfüllen kann, aber nicht mit dem Gehalt, den ich im Kopf hatte - nicht schlimm - ich habe genug Sekundärgehalt in den Gehirnwindungen, um bis zum nächsten großen Thema zu überbrücken.

Menschen sprechen mich auf der Straße an und fragen: icemann, du benutzt sehr viele, komische Begriffe, die wir nicht immer verstehen, weil wir oft nur RTL2 oder Sat 1 schauen. 
Ja, es sind ja nicht nur die Sender, sondern auch die Sendungen, die uns im Intellekt immer mehr verkümmern und schrumpfen lassen. Aber es gibt Hoffnung! Es gibt einen hellen Stern am Horizont der Mittelmäßigkeit, der hohlen Unterhaltung, der tumben Behinderung der Sinne, der stupiden Beschallung!

Natürlich war das eine humoristische Einlage, es sprechen mich keine Leute auf der Straße an, weil ja kaum einer den Blog liest. :- )
Aber ernsthaft, ich habe natürlich eine langen, roten Faden, der sich durch fast alle Blogs zieht, die an Begrifflichkeiten knüpfen, die nicht jedem bekannt sind, der erst später auf den Blog-Wagon aufgesprungen ist.

Daher heute mal was ganz leichtes.  


Mein Glossar der Begrifflichkeiten, frei Schnauze und aus meinem Hirn gezogen, ohne spezielle Order.
Fragt mich, wenn was fehlt oder ihr etwas genauer erklärt haben möchtet.


Fragile: "Zerbrechlich" im Sinne der Anfälligkeit oder Schwäche - kann ein System, ein Mensch, eine finanzielle Situation oder ein Standpunkt sein, eben alles, was auf  lange Sicht hin, nicht überleben wird. Anfällig für Schwankungen und Änderungen, "time will break all things (that are fragile)!"
Es kann seinen Zustand auch nicht verbessern, bestenfalls beibehalten. 
Bsp.: Ein Glas, Schnee im Frühling, Milchproduzenten ohne Subventionen, Damocles` Schwert

Robust: Unbeeindruckt von Schwankungen, weder positiv, noch negativ, kann weder besser noch schlechter werden. Bsp.: Ein Fels, ein Diamant, 1. Fußball Bundesliga, der Phönix (aus der Asche) 

Antifragile: ein Zustand, der von Unordnung, Stress und Anstrengung PROFITIERT - hmmm, das ist ja eher selten - Training des Muskels gehört dazu, durch Stress und Beanspruchung reagiert der Muskel über und schafft die Hypertrophie, der Muskel wird stärker und größer. Das gleiche gilt im Übrigen auch für gebrochene Knochen, sie wachsen oft stärker zusammen, als sie vorher waren.
Es kann aber auch so was diffuses, wie das Restaurant-Business oder die Luftfahrtbranche sein, mit jeder Restaurantpleite, lernt das "System" dazu und verbessert sich, wenn nicht - verschwindet der Teilnehmer und jemand kommt nach, der es besser macht. Bei jedem Flugzeugabsturz lernt die "Industrie" dazu und macht jeden weiteren Flug NOCH sicherer. Bsp.: Muskel, Knochen, Omas Weisheit, die Hydra (1 Kopf abgeschlagen, kommen zwei dazu)

Black Swan: Ein Black Swan Event ist ein Ereignis, dass (zeitlich) nicht vorhersehbar ist, sehr selten passiert (statistical outlier), extrem positive oder negative Wirkung hat und nur nach dem "Geschehen" erklärbar erscheint. (hindsight bias) Dann tut man aber so, als wäre es "leichter" erkennen zu gewesen.
Bsp.: 9/11, Finanzkrise 2008/9, Meteoriteneinschlag auf der Erde, als "Planetenkiller"    

System 1: Der "Teil" des Hirns, der mit dem Limbischen System und anderen Regionen des Hirns in Verbindung gebracht wird und für das "schnelle" Denken verantwortlich ist. Alles, was intuitiv in uns passiert, keiner Anstrengung bedarf und "automatisiert" stattfindet, kann man hiermit verbinden. Es ist mühelos, energiesparend, auf Erfahrung basierend oft richtig, und manchmal TOTAL falsch, im Ergebnis.
Es ist der älteste Teil des Gehirns, viel mit Emotion und Selbsterhaltungs-(Sex)trieb verbunden.
Bsp.:  die Addition 1+1, welche Milch nehme ich beim Einkauf, was antworte ich auf "Guten Morgen!"

System 2: Der neuere Teil des Gehirns, Neo-Kortex und Gehirnrinde - aber bitte hier zu beachten, dass man die Systeme nicht so banal lokalisieren kann - "langsames" denken, überlegt, mühevoll, kalkuliert.
Wir benutzen es, wenn wir abwägen und überdenken müssen, schwer rechnen und hinterfragen. Es kostet buchstäblich viel Kraft und APT (Zucker) Mittlerweile ist erwiesen, dass zunehmend anstrengende  Aufgaben den Gehirnmuskel ermüden lassen und man deshalb auch leichter Fressattacken auf Schoki bekommt, weil man sich nicht mehr beherrschen kann. Bsp.: die Addition 689+1299, wohin fahre ich in den Urlaub, wenn ich nur 1000 EUR habe, einen Sandstrand, all-incl. und weniger al 5h Flugzeit haben will und es NICHT scheißßßß Sonnenstrand sein soll! Was ist der beste Weg, um mich in der Firma hochzuarbeiten, ohne zu viele Leute anzudissen. Wie investiere ich mein Geld am Besten, für meine Altersvorsorge?

WYSIATI:  -"What you see, is all there is"-  Die naive Annahme sich eine Meinung bilden zu können, auf die Tatsachen, Fakten, Bilder, Berichte und Äußerungen, die man sieht - und alle die zu vernachlässigen, die man NICHT sieht, die aber vielleicht genauso wichtig, oder vielleicht sogar wichtiger sind. Ich stelle es mir dazu das Bild eines ganzen Kuchens vor. In wie weit stellt aber ein Stück dieses Kuchens den ganzen Kuchen dar? Mann kann auf jeden Fall die Zutaten ableiten, wichtig! Den Geschmack, wichtig! Farbe, Beschaffenheit, Textur, klar... Form? Hmmm, da wird es schwieriger - eine kreisrunde Kuchenform könnte ich mit einem "Segment"-stück des Kuchens noch rückberechnen, aber bei einem geraden Stück, wie bei einem Marmorkuchen? Ich kann anhand eines Stücks nie sagen, wie LANGE der Kuchen insgesamt war und ob sich die Marmormusterung in einem anderen Stück anders dargestellt hat.
Was wäre wohl, wenn wir einen Kuchen noch vertikal schneien, sondern horizontal? Bammmm! More problems! Was wäre wenn wir einen gedeckten Kuchen haben, wo unten der Boden und oben die Erdbeeren sind? Tja, wenn wir da nur den Boden essen, können wir nicht behaupten, zu wissen, wie der Kuchen schmecken SOLL? Also, Obacht - beim Kuchen essen - und bei, vor allem, wichtigen und unumkehrbaren Entscheidungen. Das Wichtige liegt vielleicht im Verborgenen... 
   
Barbell (Strategy): Es ist die 80/20 Regel - eine interessante Gesetzmäßigkeit, die in der Natur immer wieder vorkommt. Eine gewisse Verteilung von Zahlen, Daten und Fakten. Spannend ist hier die Gewichtung - es ist alles "geskewed" verteilt - also 20% der Werte erfüllen 80% der Eigenschaften und 80% der Eigenschaften nur 20% der Werte - klingt komisch - ist es aber nicht. 
Im Kosmos sehen wir nur 27% der Materie, der der Rest ist "dunkel" aber die lichte Materie ist unglaublich eng zusammen "verklumpt." 
20% der Angestellten haben 80% der Krankheitstage und 20% der Angestellten eines Betriebes erledigen oft 80% der Arbeit. 20% deiner Investitionen, liefern 80% des Gewinns etc. Wir verlassen hier offenbar den linearen Bereich des Denkens... das fällt dem Mensch schwer - er ist so einfach nicht gepolt
Wahrscheinlich, weil als Urmensch überwiegend binäre Entscheidungen getroffen worden sind, die zu binäre Ergebnissen geführt haben - Leben/Tod - essen/verhungern - Unterkunft/scheiß Regen - doggystyle/kalte Felswand...

Lineare Verteilung/Gaußsche Bellcurve/Normalverteilung/Mediocristan: Hier geht alles seinen gewohnten Gang, buchstäblich! Keine unerwarteten Ereignisse, alles ist gleichförmig steigend, kalkulierbar, zu erwarten, gleichbleibend, prozentual verändernd. Kein einzelner Wert kann so hoch oder tief sein, dass er den Durchschnitt merklich verändert. Es greift das "Gesetz der großen Zahlen." Je mehr Werte ich habe, desto wahrscheinlicher ist es, dass jeder weitere Wert, den ich erhalte mich mehr zum Durchschnitt führt.  
Wir kennen das aus der Schule, wenn die Grade im Winkel von 45 Grad vom Null-Punkt einfach nach oben "rechts" geht. (Steigung 1)
Bsp.: Körpergröße des Menschen, Gewicht, Anzahl der Jobs die man im Leben hat

Powerlaw-distributed/Exponentielles Wachstum/Extremistan:
Nunmehr verlassen wir die ruhigen Gefilde der Intuition und wagen uns ins "Verderben."
Durch Corona haben selbst die meisten RTL2-Menschen erkannt, dass nicht immer alles gerade aus läuft und dann auch noch nicht mal in geraden Bahnen, sondern erst "flach" dann plötzlich überproportional "steigend." Schlecht für den Magen und den Geist. Hier merken wir, wenn Menschen an ihre kognitiven Grenzen stoßen und dann einfach "zumachen" wie damals die DFB-Auswahl 1986 oder so. Quasi wie Bud Spencer: " Wenn Plattfuß nichts mehr versteht - dann haut er einfach ZU!"
Hier ist der statistische Durschnitt irrelevant, die Standardabweichung irreführend, das Kalkulieren und planen schwierig, bis unmöglich, eben komplett contra-intuitiv.
Man nehme 100 durchschnittlich vermögende Deutsche und addiere dann Bill Gates` Vermögen und errechne daraus den Durchschnitt. Wir können uns wohl darauf einigen, dass Dieser nicht sehr aussagekräftig ist.
Bsp.: Erspartes der Deutschen, Verteilung arm/reich, Bücherverkauf, Filmerfolge, Schauspielergagen  

Randomness: Der Zufall herrscht! Das klingt erstmal verunsichernd, ist es ja auch oft - aber nicht immer
Der Zufall ist ein mächtiger Verbündeter, wenn es um Entscheidungsfindung geht. Man stelle sich vor, man isst zu viel Wurst, jeden Tag morgens und abends. Nicht sehr förderlich für die Gefäße und Co. was tun? Weniger Wurst wäre gut - aber wie schafft man das, wen man selbst "noch" nicht stark genug ist, dem Wurst-Reiz zu widerstehen? Man befragt den Kosmos/Äther: "Lieber Äther, soll ich heute Wurst kaufen?" Er antwortet: Ja, aber NUR, wenn sie im Angebot ist! - pfffff - ernüchternd, denkt der Wurstfanatiker erstmal... aber weit gefehlt - es gibt eine klare Regel, die ich "indirekt" durch den Zufall geschaffen habe und kann mich so gut daran halten, weil ich sie vor mir selbst überprüfen kann: kein, "och heute mal ne Ausnahme" - oder - "Ich muss mal weniger Wurst essen."  
So kaufe ich weniger gesunde Dinge ein, die ich aber gerne konsumiere. Wurst, Müller Milch, Fette Joghurts, - NUR wenn sie im Angebot sind, sonst geh ich einfach vorbei, ohne Ausnahme.
Randomness führt aber auch zu lustigen Verworrenheiten rund rund um den Alkohol und lässt seinen Freunden/Bekannten später interessante Dinge erzählen. (Check out my old Blog- "How to inject rondomness the right way.")
Es gibt natürlich auch schädliche Randomness, die es zu minimieren gilt. Wenn ich das nicht kann, dann sollte ich mich zumindest auf die Minimierung des Schades konzentrieren.
Randomness ist ein starker Prüfer der Systeme. Bsp.: Corona/Gesundheitssystem, Flüchtlinge/Gesellschaft, Tsunami/Fukushima

Option: An sich selbsterklärend, aber ein wichtiges Werkzeug, um im Alltag Entscheidungen zu treffen und Handlungsspielraum zu benennen. Für mich ist es, wie eine Spannbreite und Spannweite, ich kann von bis alles machen - und entscheide dann, was ich will, muss oder soll. Wie beim ersten Date: Küssen ja! - aber mehr??? ((fast)alles kann, nix muss) 

Obligation: Eine Obligation ist eine Verpflichtung, die mir weder Handlungsspielraum, noch eine Spannweite von Möglichkeiten bietet. Generell gilt es diese zu vermeiden, da kein fine-tuning, optimieren oder Schaden minimieren möglich ist. Etwas tun zu "können" ist im Regelfall besser, als etwas tun zu "müssen." Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Eine glückliche, feste Beziehung, íst eine Obligation, man verzichtet auf "Freiraum," bekommt aber Antifragilität im Gegenzug = Liebe, Rückhalt und Glück 

Skin in the Game: Ein ethisch/moralischen Konzept, dass leider immer mehr aus unseren, modernen Alltagskonzepten verschwindet. Es gilt: Du sollst kein Risiko auf andere transferieren, wenn du selbst den Vorteil daraus ziehst und in Ergänzung, selbst kein Risiko trägst. Ferner gilt: Dass du nicht willst, dass dir man tu, das füg auch keinem anderen zu (the silver rule) Es hat schon seinen Sinn, dass sich Religion so lange gehalten hat und eng mit dem moralischen Kompass verbunden ist.
Bsp.: Das Prinzip der "Haftung" ist Skin in the Game, der Begriff der "Ehre", die alten Könige waren selbst die ersten im Krieg, die Architekten im alten Babylon mussten selbst mehrere Nächte in ihren gebauten Häusern verbringen, um Pfusch am Bau zu vermeiden. (Sonst galt Hammburabis Gesetz)

Risk Taking: Ein "wahres" und glorreiches Unterfangen fürwahr - "Taking risks and dealing with failure hardens the soul and shields against future pain, to achive pure happiness and freedom" (Gillig 2021)
Natürlich darf das Risiko nicht so hoch sein, dass das System daran "zerbrechen" kann - sondern im Gegenteil - viele kleine Fehler VERBESSERN das System, es lernt und bereichert sich selbst. 



So, Freunde, das waren meine wichtigsten Begriffe und Lebens-Eckpfeiler, in der etwas genaueren Erklärung und Illustration. Ich hoffe, es ist nunmehr mehr Klarheit eingekehrt und ihr könnt sie für euch ummünzen und etwas in die Praxis extrapolieren.

Denn es gilt: 
Die Praxis steh klar über der Theorie - denn in der Theorie gibt es keinen Unterschied, zwischen Theorie und Praxis, in der Praxis schon.




Und hier noch zum Ende, wie immer, eine paar feine Bilder zum inhalieren, sinnieren und runterkommen.

Wenn ihr mehr baucht, dann besucht mich bei Instagram: icemann_10


                                                       Huracan Ramirez


                                                        Chartreuse Swizzle                                                        


                                                        Batavia Pain Killer


                                                        Memento Amari


                                                        Moscow Mule


                                                        Damned by the Queen


                                                        Golden Gun


                                                        Norwegian Paralysis


                                                        Pi Yi


                                                        Sherry Cobbler


                                                        Never Say Die



  










Ich verabschiede mich von Euch und freue mich schon auf den nächsten Blog, sollte sehr interessant werden.

Bleiben Sie dabei, wenn es heißt: 000011001101010011110001111100001010101010110101111




Cheers und enjoy!
icemann

      





Mittwoch, März 31, 2021

Weil er nur tauuub ist, nicht däääämlich! - oder anders gesagt - Wie kommuniziere ich "eigentlich" richtig? (da vorne ist grün)

Hallo liebe Freunde, (Ex-)Kollegen, Pokerspieler, Zauberer, Instagram-Abonnenten und random-Blogleser,


schön, dass ihr nach dem letzten Blog wieder einschaltet, um zu sehen, ob dieser Blog denn auch so schwer verdaulich ist. Und ich kann Euch beruhigen - es bleibt relativ leicht bekömmlich und gut verdaulich. Fast so, wie bei Instagwäm (Sarah)


Heute beschäftigen wir uns mit dem Thema Kommunikation.


Wir fangen vorne an und stellen uns die Frage. Wie definieren wir denn Kommunikation?

Banal und allgemein gesagt: 

Kommunikation ist (mindestens) die Vermittlung von Information, von Sender zu Empfänger.

Hierbei gilt wie immer - Jeder so gut, wie er kann

Hierzu zwei feine Beispiele, INTERAKTIV Taub und Blind oder lieber das, Blind und Taub


Bei der (Mensch-zu-Mensch) Kommunikation teilen sich aber lediglich 20% der Information in den sachlichen Gehalt (das was) auf, und der Großteil, nämlich 80%, in den "nicht sachlichen" Gehalt (das wie und von wem).
Hierzu zählen z.B. Stimme, Gestik, Mimik, Lautstärke, "Auftritt," Intonation, Verständlichkeit 
- alles in den Bereichen verbal und non verbal.
(Ich habe hier bewusst die Mensch-zu-Mensch-Kommunikation in den Vordergrund gestellt, da die binäre-Programmiersprache von Computerprogrammen fast ausschließlich mit der Sachinformation arbeitet.)
(Außerdem bitte ich nicht sachlich nicht mit unsachlich zu verwechseln - großer Unterschied!) 

Wir fangen hier mal hintenrum an und inszenieren und einfach ein paar Beispiele aus dem Alltag, die wir sicherlich alle schon mal hier und da gehört haben. Danach versuchen wir die Aufteilung, Zuordnung und Analyse. (Keine Sorge - keine 75 Zeilen-Tabelle)



1. Beispiel:

Lehrer: 
"Das Gravitationsgesetzt von Newton besagt, dass zwei Massen, zweier Körper, mit den zwei dazugehörigen Kräften (Gravitation), die aufeinander wirken (Anziehung), sich mit dem Quadrat des Abstandes der beiden Körper, proportional, vermindern."

Schüler: "WTF!?"



2. Beispiel:

Ehefrau:    "Der Mülleimer ist voll, da passt jetzt echt nix mehr rein."
Ehemann: " Hmmmm...." (Stille....Wind... Ein Wüstenbusch fegt vorbei.)



3. Beispiel:

Kumpel 1: "Eh, du dummes Stück Dreck, schön dich zu sehen!"
Kumpel 2: "Yo, whaaaaaaazzzuuupppp Fu**er, du siehst ja noch verschi**ener aus, als sonst!"



4. Beispiel:

Freund:    "Irgendwie geht`s mir heute nicht so dolle..."
Freundin: "Also mir geht`s heute echt blendend!"



5. Beispiel:

COO einer Firma: 
"We need to allign our companywide focus on growth, flexibility, revenue, marketshare and sustainability, meeting the expectations of our customers and keeping their retainabilitiy in sight, supplying for the well-being of our employees and riding the fluctuations of the market, in order to be well equipped with all the tools we need, to be a robust, striving, and successfull global player.

Angestellter: " Ja, klar - Fi** dich doch weg! (Und spielt weiter BULLs*it-Bingo!)



Wie wir intuitiv, auch ohne Kommunikationsstudium, erkennen, unterscheiden sich die fünf  Beispiele
doch erheblich in einigen Punkten, obwohl es ja immer nur einen Sender und einen oder mehrere Empfänger (gleichen Rangs) gibt.

Schauen wir mal genauer hin:


Zum 1. Beispiel:
Es mutet recht trocken an, was der (alte) Lehrer da von sich gibt. Ich glaube wir kommen hier schnell überein, dass hier KEINE versteckte Aufforderung irgendeiner Art enthalten ist.
Es liegt zwar eine Lehrer-Schüler-Beziehung zugrunde, aber auch das spielt hier nur eine kleine Rolle.
Die Kommunikation erfolgt rein auf der Sachebene. What you see, is what you get!
Der Schüler, Empfänger versteht zwar nix, aber das hängt mit dem "Gehalt" der Nachricht an, nicht mit dem Inhalt. Einfach mehr lernen, du Looser - und leg mal dein Handy weg!

Hier haben wir die erste "Seite" einer Nachricht - die sogenannte Sachebene


Zum 2. Beispiel: 
Ehefrau und Ehemann, das ist eh immer speziell. Die Dame des Hauses bemängelt die übertriebene Fülle das Müllbehältnisses und gereicht es, ihrem Lebens(abschnitts)gefährten, verbal zur Kenntnisnahme. Dieser reagiert eher verhalten-intensiv, man ist geneigt zu sagen, eher gedämpft. Bestenfalls nimmt er es wahr, schlimmstenfalls ist es ihm scheißegal!

Was will die Herrin des Hauses denn nunmehr mit ihrer Aussage bezwecken?
Es soll ja bestimmt nicht die Grundlage eines philosophischen Gesprächs werden, oder?
Eher nicht... wir können kühn vermuten, dass sie den Punkt zur Sprache bringt, damit das "Problem" gelöst wird - und zwar nicht von ihr, sondern von ihrem andieCouchundPlaystation5gefesselten Göttergatten. Mit seiner Antwort können wir ableiten, dass der Wille aktuell fehlt, die Nachricht nicht "ankam" oder das Spielen gerade wichtiger ist.

Hier haben wir die zweite "Seite" einer Nachricht - den sogenannten Appell

Ich sage etwas "verschlüsselt-offensichtlich" und erwünsche mir vom Gegenüber eine "aktive" Reaktion.


Zum 3. Beispiel:
Hier begrüßen sich zwei Freunde, auf die typisch männlich-herzliche Art, indem sie sich erstmal ordnungsgemäß "beschimpfen." Es scheint in guter Laune und mit erwarteter Intensität zu passieren.
Wir merken an der Reaktion des Empfängers, dass er sich freut innig begrüßt zu werden und es seinem guten Freund angemessen zu erwidern.

Was sagen die Damen? Macht ihr das auch so? Yoooaaahhh- neeeeeee, eher nicht, schallt es mir von der anderen Seite des Smartphones entgegen. Klar, das machen ja auch nur die Männer.

Wir erkennen hier schnell, dass der Sachinhalt keine große Rolle spielt, bzw. nicht wörtlich genommen wird. Beide Herren haben sich diese Ebene über Jahre des Vertrauens und der Männerzuneigung hart erarbeitet.   

Hier haben wir die dritte "Seite" einer Nachricht - die sogenannte Beziehungsebene


Zum 4. Beispiel:
Wieder tasten wir uns dezent, fast lautlos, pirschend hervor und landen - in einer BEZIEHUNG!
O Gott, wir alle kennen sie, die "er hat, sie hat, ich dachte, du wusstest, hab ich nicht so verstanden, hast du nie gesagt, nur einmal hättest du doch, ich hätte mir gewünscht dass, stimmt doch gar nicht -Wirren." Sachebene? Ja, schooon, aber nicht nur... Analyse!

Dem Weichei-Freund geht`s nicht so gut... irgendwas hat er... er teilt seine schier unermesslichen Schmerzen seiner Holden mit, offenbart sein Innerstes- und was macht sie? Sie erwidert, dass es ihr hervorragend geht. Pheeewww, ein schwerer Schlag, sicherlich. Keine Anerkennung, keine Resonanz, keine Hilfe.

Hier haben wir die vierte "Seite" einer Nachricht - die sogenannte Selbstoffenbarung



Zum 5. Beispiel:
Es klingt alles recht recht wichtig, hochgestochen, allumfassend, doch lahm, unpräzise und seicht zugleich. Kein Zufall, natürlich. Man möchte/muss etwas sagen-sich aber nicht äußern, etwas mitteilen- aber nicht informieren, die Richtung vorgeben-aber bei Fehlern dafür nicht einstehen müssen.
Es klingt so, als hätte jemand studiert, ein Mischmasch von Dingen, die man mal aufgenommen hat und sich dachte, oh, die kann ich auch mal in einer Ansprache verwenden. 
Wie beim ersten Date - alles kann, nix muss...

Hier haben wir KEINE "Seite" einer Nachricht - just corporate Bulls*it!
Wenn ihr das hört, wisst ihr Bescheid - Ohren zu - und an Strand, Drinks, Bikini-Mädels (oder Strandretter) und an Sonne denken. Ahhhh - much better! Cheers




100% des Informationsgehalts (Sachinhalt + X) verteilen sich auf

Sachebene, Appel-Ebene, Selbstoffenbarung und Beziehungsebene - nach Art der 4 Seiten einer Nachricht








Lasst und noch kurz auf X zurückkommen. (X ist meine Begrifflichkeit)
X ist alles, was nicht rein in der Information (Sachebene) enthalten ist und kann, wie oben beschrieben, bis zu 80% des Gesamtinhalts ausmachen. Ein heftiger Anteil, wie ich finde!
 
Je nach Art der Kommunikation oder Beziehung der Akteure kann das mehr oder weniger sein.
Sprich, es kann mehr aus der Appell- Beziehungs- oder Selbstoffenbarungsebene kommen.
Hierzu zähle ich aber auch so etwas wie, Timing, Umgebung (privat/geschäftlich), allgemeine Stimmung, eigene Gemütsverfassung und Aufnahmefähigkeit des Empfängers etc.  
Es geht also nicht nur um das, WAS wir sagen, sondern WIE wir es sagen und mit WEM wir darüber reden.
Unterschiedliche Personen haben verschiedene Erfahrungen und reden deshalb auch anders und haben dabei auch diverse Intentionen. 
Daher lautet meine Faustregel: Man kann nicht wissen, was in den Leuten vorgeht, selbst wenn man sie gut kennt.

Natürlich kommen auch verschiedene gesellschaftliche Ebenen dazu, was ich hier aber mal bewusst auslasse. Jedem ist klar, dass er seinen Chef nicht so anschei*en kann, wie seinen Kumpel, nach 12 Bier bei der Eintracht im Stadion, nachdem er dir auf die Schuhe gekotzt hat.


Wir schauen uns hier mal vier verschiedene Reaktionen auf ein und dieselbe Nachricht an.






Ich habe in den oberen fünf Bespielen so getan, als wäre jede Information allein mit einem Ohr zu hören.
Dem ist natürlich in der Realität nicht so. Im Gegenteil - wir müssen immer wieder abwägen, hinterfragen und nachdenken, oft auch eher unterbewusst, mit wem wir wie kommunizieren (können). Das kommt schnell, automatisch und das Kleinhirn übernimmt das (meist).

Schön und gut - aber oft nicht ausreichend - es gibt noch genug Missverständnisse, vor allem auch im geschriebenem Wort, weil man die Körpersprache und das Gesicht des Gegenüber nicht erkennen kann. Das Internet hat dazu die Emoticons erschaffen. DANKE Internet! 
Missverständnisse von Angesicht zu Angesicht entstehen oft dann, wenn (M)man(n)(Frau) auf verschiedenen Ebenen kommuniziert. Einer z.B. auf der Sach./ - der andere auf der Beziehungsebene. Harmonie ist schwer zu erreichen, Kommunikation kann so fast nicht stattfinden. Heilung: Vertagen - und neu besprechen, mit weniger Emotion, dann sieht alles oft klarer aus.


Oh - und noch was...
Wir sind bisher davon ausgegangen, dass wir auch alles das sagen, was in uns vorgeht und wie wir fühlen, denken und was wir aussagen möchten.

Denkste! Wir können oft noch nicht mal das sagen, was wir wollen.







Das hat mein Kommunikations-Prof auch gesagt: Es gehen per se schon bis zu 80% von dem verloren, was wir "eigentlich" sagen wollen, aber nicht nicht können, wir falsch aussprechen, zu wenig oder falsch gehört oder verstanden und dann auch noch vom Empfänger verarbeitet wird. Ernüchternd!


Es müsste langsam dämmern... reden allein genügt nicht

Wir leiten daher aus alledem fünf Dinge ab, die uns besser miteinander kommunizieren lassen:


1. 
Möglichst auf der Sachebene kommunizieren und sich dann in andere Ebenen "vortasten."

2. 
Sich in den Gesprächspartner hineinversetzen und überlegen, wie er tickt und wie er Dinge                  aufnimmt.

3.
Auf Feedback achten und seine Art der Kommunikation anpassen, falls 2. nicht so gut geklappt hat.

4. 
Klar und unmissverständlich kommunizieren, nicht verschachtelt, nicht zu kompliziert und im richtigen Moment. Wie so oft - Timing ist Key!

5. 
Nicht alles persönlich nehmen, was zurückkommt, oft ist es nicht so gemeint, wie es gesagt wurde.
Ruhe bewahren, souverän bleiben und das Chi in der Körpermitte konzentrieren - denn wir wissen ja alle - INTERAKTIV CHI - das Resultat ist Power!


Beobachtet und verarbeitet bewusst, wie Menschen kommunizieren und wie es bei Anderen ankommt, was sie gut und schlecht machen und das dann einfach ins eigene Arsenal übernehmen.


Paul Watzlawick, der Pabst der Kommunikation, hat mal gesagt: 
"Man kann nicht nicht kommunizieren."



Als Bonus hier noch zwei Dinge, die meinem Prof und mir jetzt auch, sehr am Herzen liegen.

1. 
Vermeidet das "man" - "Man müsste ja mal den Keller aufräumen." man steht hier als eine Art Substitution des "ich," aber "man" gibt es nicht, es gibt nur "ich" - man ist unpersönlich, allgemein, nicht haftbar und gehört daher verbannt! Man verwendet "man" wenn es um Distanz und Abstand zu dem geht, was "man" gerade sagt, obwohl es um einen selbst geht. " Man müsste mal sein Leben verändern."
(Natürlich gilt das nicht für "man hat 2005 festgestellt, dass..." das man steht hier für irgendjemand, eine unbekannte Person, Gruppe oder Entität, das ist natürlich ok.)

2. 
Vermeidet das "eigentlich" - es relativiert, mindert, macht ungewiss und sagt am Ende genau was aus?
Es könnte, muss aber nicht, ich sag aber mal was, lass mich aber nicht darauf festnageln. Entweder hü oder hott - nix dazwischen!


Erlaubt Euch einen Spaß, wenn Ihr zu zweit im Haushalt seid und zählt mal einen Tag lang, wie oft Ihr "man" und "eigentlich" sagt, - it`s shocking!


Noch eine Sache, ein wichtiger Nachzügler:
Im "Gefühlsgespräch" mit seiner Partnerin, seinem Partner nicht du, du, du, du sagen, sondern lieber in Ich-Botschaften sprechen. 
"Ich fühle mich so und so," "mir kommt es so vor, dass," "ich wünsche mir das und das." Die/der Gegenüber fühlt sich so nicht zu sehr an den Pranger gestellt und hat Platz zu "manövrieren."




So Freunde, das wars von mir, ich hoffe, der Blog heute hat Euch gefallen und Ihr schaltet das nächste mal wieder ein, wenn es heißt:


Ist der Freund meines Freundes mein Freund oder ist der Feind meines Freundes mein Freund oder noch schlimmer, ist der Freund meines Feindes mein Freund - oder hab ich am Ende gar keine Freunde? Verwirrend...







Hier noch zum Runterkommen, etwas Visuelles.




                                             The Bombay Crushed



                                           The Captains Grog



                                                     Never Say Die




                                                      Kaiteur Swizzle



                                                     Mai Tai



                                                     The Iron Ranger



                                                     The Pearl Diver Punch



                                                      The Shingle Stain



                                                      The Suffering Bastard



                                                      The Eastern Sour




                                            Lachsfilet mit Fenchel, Kartoffeln und Spinat



                                            Strammer Max Deluxe



                                            Jamaican Patties



                                           Hähnchengeschnetzeltes mit Pilzen und Nudeln  









Cheers und bis bald!
Euer icemann